Artenvielfalt im Obergrün

Das Gewann Obergrün ist eine strukturreiche landwirtschaftliche Restfläche mit Wiesen, Weiden, Gebüschen, Brombeerhecken und Einzelbäumen. Die innerstädtische Grünfläche beherbergt aufgrund dieser vielen unterschiedlichen Kleinlebensräume eine erstaunliche Artenvielfalt.

Seit 2019 brütet jährlich der Neuntöter mitten im geplanten Baugebiet, zudem leben im Gebiet sowohl Zauneidechse als auch Mauereidechse. Diese Arten sind EU-weit besonders bzw. streng geschützt und stehen als Schirmarten für besonders strukturreiche trocken-warme Lebensräume, in denen auch viele andere Tiere ideale Lebensbedingungen vorfinden.
 


Das Grünland und weitere Brombeerhecken und Obstbäume innerhalb des im Flächennutzungsplan als mögliche Baufläche aufgestellten Bereichs werden sommers von dutzenden Haussperlingen und Staren mit ihren Jungvögeln als Nahrungshabitat und Schlafplatz genutzt. Der Haussperling und der Star sind wegen Lebensraumverlust sowohl auf der Roten Liste Deutschlands (Star als gefährdet (3), Haussperling auf der Vorwarnliste) als auch in Baden-Württemberg geführt (Haussperling Vorwarnliste). Schlafplätze werden in Planungen oft nicht aufgenommen bzw. übersehen, da die Kartierungen meist tagsüber durchgeführt werden. Diese Strukturen sind jedoch besonders wichtig und auch geschützt. Auch das Thema Nahrungsflächen wird oft zu wenig berücksichtigt. 2021 hat erneut mindestens eine Waldohreule rund ums Obergrün gebrütet, (die nach BNatG wie alle Eulen streng geschützt ist), vermutlich ein Brutpaar in der Lichtenbergstraße und eines im Sportpark Sonnland. Das Gewann Obergrün ist für deren Futtersuche essentiell. Zudem ist der überplante Bereich ein wichtiges Nahrungshabitat für die Mehlschwalben (Rote Liste Deutschland 3 und Baden-Württemberg Vorwarnliste) und Mauersegler (BW Vorwarnliste), die erfreulicherweise in der Bischofslinde brüten, ebenso für den Turmfalken (BW Vorwarnliste).

Eine besondere Bedeutung haben die Brombeerhecken innerhalb des geplanten Baugebiets für den Bluthänfling, sie stellen einen bedeutenden Winterschlafplatz dar, der jeden Winter von zwischen 70 – 150 Individuen genutzt wird. Der Bluthänfling ist wegen Lebensraumverlust auf der Roten Liste Deutschlands als gefährdet (3) und in Baden-Württemberg als stark gefährdet (2) geführt. Als Gründe werden Siedlungstätigkeiten in strukturreichen Ortsrändern und die intensive Landwirtschaft angegeben.

Darüber hinaus brüten im Planungsbereich Girlitze, Stieglitze, Blaumeisen, Kohlmeisen, Amseln, Rotkehlchen, Zaunkönige, Mönchsgrasmücken, Gartengrasmücke, Rabenkrähen, Elstern, ohne Anspruch auf Vollständigkeit….

Das Gewann Obergrün ist ein Beispiel dafür, wie durch die ungebremsten Bautätigkeiten die Lebensraum-Mosaiksteinchen, die die verschiedenen Vogelpopulationen zum Überleben brauchen (Rastplätze, Winterhabitate, Schlafplätze, Bruthabitate, Nahrungshabitate) schwinden, oft unbemerkt. Wenn das Gewann Obergrün bebaut wird, verschwinden für alle oben genannten (wohlgemerkt nur Vogel-)Arten entweder ein ganzes Revier oder überlebensnotwendige Bestandteile davon bzw. essentielle Habitate zur Zugzeit.

Als entomologische Besonderheiten sind im Gewann Obergrün Feldgrille (in Deutschland auf Rote Liste gefährdet geführt), Gottesanbeterin, Gefleckte Ameisenjungfer, Kleiner Feuerfalter zu nennen.

Ganz allgemein zum Insektensterben informiert der NABU Baden-Württemberg in dieser aufschlussreichen Präsentation:

Stand 2021

„…Hierzu ist jedoch ein neues Bewusstsein nötig, welches die Vielfalt an Pflanzen und Tieren auch in Wohngebieten und öffentlichen Grünanlagen als einen Wert an sich begreift … Sich selbst überlassene ausgewählte Flächen in Parks und Privatgärten stellen wichtige Naturerlebnisräume für die Stadtbevölkerung, insbesondere mobilitätseingeschränkte Gruppen dar.“
 

(zitiert aus dem Neun-Punkte-Plan der Wissenschaft gegen das Insektensterben)